Teil 1 Silvesterschreck: DIE ANGST

Jetzt naht sie also wieder, die Zeit des Schreckens für viele Hundehalter, und besonders Ihre Vierbeiner: Silvester!

Nicht jeder Hundehalter hat das Glück, dass seinem Vierbeiner die Knallerei nichts ausmacht.

Die meisten finden dieses Ereignis (zu Recht) sehr gruselig....

 

 

Es ist laut und es knallt unentwegt. Meist ist es ja nicht nur das eigentliche Silvesterfeuerwerk, sondern auch noch Tage danach lassen viele Kinder und Jugendliche Böller los- meist geht das dann eh weiter bis Fasching- oder fängt spätestens da wieder an.

 

Oft zu beobachten ist, dass es gerade nach dem Silvesterfeuerwerk schlimmer wird bei  Hunden, welche bereits Angst haben vor Böllern.

Vielleicht war noch vor dem Feuerwerk alles in Ordnung wenn auch mal irgendwo ein Böller losgelassen wurde. Nach dem Feuerwerk wird dann aber jeder Böller zum “Höllentrip”. Blickt man hinter die Kulissen ist das völlig verständlich: Das Feuerwerk hat den Hund dermaßen verstört, dass jeder nachfolgende Böller wieder dieses Angst Gefühl auslöst:  Er wird wieder in dieses Angstgefühl des Silvesterabends versetzt und weiß nicht was ihn nun erwartet.

Deshalb gilt: Auch nach Silvester solltet Ihr gut auf Eure Hunde acht geben, und Hunde mit Geräusch- Angst lieber etwas zu lange nur an der Leine ausführen.  

 

Nicht jeder Hund ist gleich Geräuschempfindlich

Nicht jeder Hund ist im selben Ausmaß von der Angst betroffen.

Manche Hunde lässt das Gekrache auch völlig kalt. Wieder Andere entwickeln eine Geräuschangst erst im Laufe der Zeit.

Damit es nicht dazu kommt, sollte man vorbeugen. Das geht am Besten, indem man immer dann wenn es kracht mit dem Hund etwas schönes macht: Das kann entweder Futter sein (also ein Leckerli geben) oder spielen- oder natürlich alles, was der Hund gerne macht.

 



 

Wann ist die Geräusch Angst noch “normal”

Die Geräusch Angst im Zusammenhang mit einem Feuerwerk ist - bis zu einem gewissen Grad- eigentlich nichts was man als verhaltensgestört oder auffällig betrachten sollte. Schließlich kann der Hund nicht verstehen was da vor sich geht. 

Angst vor unbekanntem ist aus biologischer Sicht erstmal etwas ganz normales.

Auch wir Menschen haben Angst vor unbekannten Situationen- und ähnlich wie beim Hund: Je älter wir werden, desto größer wird unsere Skepsis gegenüber Neuem.

Das Silvester Feuerwerk gibt es zwar jedes Jahr, doch ist es für unsere Hunde jedes Jahr wie “das Erste Mal”. Da sie es ja nur einmal im Jahr erleben, können Sie es nicht einordnen. Hätten wir jeden 2. Tag Silvester und würden wir gezielt mit unseren Hunden daran arbeiten, dass diese Geräusche für Sie etwas positives bedeuten, wäre die Situation für den Hund eine Andere: Es wäre dann etwas bereits Bekanntes- und Gutes.

 

Andersherum entsteht leider ein Trauma viel schneller.

Bei einem Trauma braucht es oft nur einmal diesen extremen Schreckmoment, verbunden mit starken Angstgefühlen bis hin zu Todesängsten, und ein Lebewesen merkt es sich Zeit seines Lebens (Nicht nur Hunde- auch wir Menschen).

Wenn ein solches Trauma vorliegt, dann muss ich Ihnen leider sagen: Für dieses Jahr ist es schon zu spät daran zu arbeiten.

Das einzige was jetzt noch geht, ist dem Hund diese Zeit so erträglich wie möglich zu machen. Mit einem Geräuschangst Training sollten Sie natürlich dann dennoch beginnen- am besten unter Anleitung eines Trainers- denn man kann hier durch falsche Methoden vieles  noch schlimmer machen!

 

Was können wir also tun, wenn unser Hund Angst vor dem Feuerwerk hat?

 

1. Für den Hund da sein und ihn nicht alleine lassen

Kein Hund gehört als hoch soziales Tier in einen Zwinger, das sei hier noch einmal erwähnt. Wenn es dennoch der Fall sein sollte, dann sollte der Hund zumindest rund um Silvester die Nächte im Haus bei seinem “Rudel” verbringen dürfen.

Gehen Sie Ihrem Hund zuliebe auch nicht aus. Feiern kann man auch daheim schön. Wenn Sie ausgehen, dann am besten nach Mitternacht (vorausgesetzt Ihr Hund hat sich schnell wieder beruhigt), oder kommen noch vor dem Feuerwerk nach Hause.

 

2. Die Geräusche und Lichteinflüsse (des Feuerwerkes) von draußen möglichst gering halten

Also am besten die Fenster schließen, ggf. Rolladen herunterlassen.

Außerdem kann man eine andere Geräuschkulisse erzeugen, indem der Fernseher oder die Musik etwas lauter gestellt wird.

 

3. Den Hund auf die Veränderungen vorbereiten

Wenn Sie gerne Tipp 2 anwenden möchten, dann sollten sie damit schon einige Tage davor anfangen. Wenn Sie sonst nie die Rolläden runterlassen und Musik oder Fernseher anhaben, kann der Hund ganz schnell in die Situation “Heute ist aber etwas komisch” kommen. Am besten wäre es aber, an diesem Silvestertag ist alles wie immer. Dann ist die allgemeine Aufregung wesentlich kleiner.

 

4. Mit dem Hund in ein Zimmer gehen, das ruhiger gelegen ist und dem Hund Körperkontakt (und somit Halt) geben

Oftmals haben Hundehalter den Tipp gehört, den Hund nicht zu streicheln, wenn er zittert oder andere Angstsymptome zeigt. Aber: Ein gut gemeintes Ignorieren kann dann nach hinten losgehen, wenn der Hund bei Ihnen Schutz sucht. Sie sind seine Hauptbezugsperson und sollten in dieser für Ihn schwierigen Situation für Ihn da sein! Außerdem kann man Angst nicht “Verstärken”. Ein Hund der bereits Angst hat wird sicher nicht noch mehr Angst haben wenn er sich bei Ihnen Sicherheit holt und sie Ihm lediglich zeigen, dass Sie für Ihn da sind.

Versuchen Sie aber dabei souverän und entspannt zu sein. Bemitleiden und "betütteln" sie ihren Hund nicht, sondern seien sie ruhig und versuchen Sie das “alles im Griff”- Gefühl auszustrahlen.

 

5. Den Hund nicht korrigieren oder gar „beschimpfen“

Besser ist es , ihn mit Konzentrations- oder Suchspielen abzulenken.

Besondere Leckerchen können hier ein große Motivation sein.

Nicht enttäuscht sein, wenn der Hund es nicht schafft, auf diese Spiele einzugehen. Dann ist schlicht das Stresslevel zu hoch ist und man kann dem Hund einfach nur Ruhe geben, indem man für ihn da ist und sich völlig unbeeindruckt von den Geräuschen zeigt. Von Gelassenheit und Entspannung kann der Hund nur profitieren.

 

6. Darauf Acht geben, dass der Hund nicht nach draußen kann

Die Hunde-Suchmeldungen rund um Silvester sind hoch genug. In Angst und Panik verlieren viele Hunde die Orientierung.

 


Weitere Unterstützung können homöopathische Mittel liefern:

Aconitum napellus: Kann in akuten Situationen verabreicht werden, wenn alle Sinne überreizt sind, der Hund ruhelos umherläuft, zittert, winselt oder in schreckhafte Starre verfällt.

 

Bachblüten: Die Notfall-Medizin hilft bei leichtem Stress und gehört schon fast zur Hausapotheke.

 

Barium carbonicum: Hilft bei allgemeiner Angst vor unerwarteten Geräuschen, vor Fremden, in der Dunkelheit, vor dem Alleinesein und vor Lichtreflexen. Die Hunde zittern bei dieser Angst sehr stark, verkriechen sich, schrecken schnell hoch oder sind extrem anhänglich.

 

Borax veneta: Eignet sich für Hunde, die Angst vor Geräuschen wie Türen knallen oder eigentlich harmlosen Geräuschen haben, aber auch bei Angst vor (schaukelnden) Bewegungen wie Fahrstühlen, Autofahren, Treppen oder Brücken. 

 

Phosphorus: Wird oft bei Angst vor Gewitter, Blitzen, Donner, Unwetter, Wind und Feuerwerk, aber auch bei allgemeiner Angst vor Geräuschen und vor dem Alleinesein verabreicht.

 

Damit Ihr die passenden Globuli in der richtigen Potenz und Dosierung verabreichen könnt, lasst Euch von Eurem Tierarzt, Tierheilpraktiker oder Apotheker beraten!

 

Wer noch Fragen hat, darf sich gerne ganz unverbindlich melden.

 

 

Im nächsten Teil geht es dann darum, wie wir unseren Hund am Besten mit Spielen und Denkübungen am Silvestertag auslasten. Da wir unsere Hunde (vor allem die Schreckhaften und Ängstlichen) an diesem Tag besser an der Leine lassen sollten, haben wir uns einige Denkaufgaben ausgedacht.

Mit ein wenig Glück verschläft unser Hund dann das Feuerwerk ganz einfach :) 

 

 Weiterlesen TEIL 2: Auslastungsmöglichkeiten